Warum dieser Text öffentlich sichtbar platziert wird
Diese Analyse ist nicht als Randnotiz gedacht. Sie ordnet eine der auffälligsten Positionen im Pharma-Portfolio ein und verbindet Fundamentaldruck, Marktpsychologie und Short-Squeeze-Risiko in einem lesbaren Gesamtbild. Deshalb erscheint sie sichtbar im Tellerrand-Bereich und nicht verborgen in einer tieferen Seitenstruktur.
Rekordverdächtig geshortet: Warum Recursion Pharmaceuticals unter Beschuss der Bären steht
Über 30 % des Freefloats in kurzen Positionen, steigende Leihkosten, ein CEO-Wechsel und ein noch unbewiesenes KI-Narrativ — RXRX ist das am stärksten geshortete Papier im Portfolio. Eine Bestandsaufnahme der Lage, der Gründe und der Konsequenzen.
I. Zahlen, die aufhorchen lassen
Recursion Pharmaceuticals ist kein unbekanntes Nischenunternehmen. Mit Nvidia als früherem Ankerinvestor, Partnerverträgen mit Roche/Genentech, Sanofi und Bayer sowie einer vieldiskutierten KI-Plattform zur Wirkstoffforschung gehört RXRX zu den prominentesten Biotech-Wetten der letzten Jahre. Und trotzdem — oder gerade deshalb — steht die Aktie unter extremem Druck der Short-Seller.
Die aktuelle Short-Quote bewegt sich je nach Datenquelle zwischen 31 % und 40 % des handelbaren Freefloats. Das ist kein leicht erhöhter Wert, der sich im Rahmen üblicher Risikoabsicherungen erklären lässt. Das ist ein klares Misstrauensvotum des institutionellen Marktes.
„Über 153 Millionen Aktien sind geshortet — das entspricht einem Dollarbetrag von rund 580 Millionen US-Dollar, der aktiv gegen den Kurs von RXRX positioniert ist.“
II. Short Interest im Portfoliovergleich
Im direkten Vergleich mit den anderen Kernpositionen des Portfolios wird deutlich, wie exponiert RXRX wirklich ist. Der Chart zeigt die Short-Quote als Prozentsatz des Freefloats:
Quellen: StatMuse, MarketBeat, Benzinga (April 2026). CYBN/ORMP teilweise geschätzt. Datenpunkte gerundet.
| Ticker | Short Float % | Geshortete Aktien | Days to Cover | Kurs ($) | Einstufung |
|---|---|---|---|---|---|
| RXRX | 31–40% | 153 Mio. | 7,3 | 3,79 | Extrem |
| SMMT | ~31% | 36 Mio. | 12,1 | ~12 | Extrem |
| VKTX | ~27% | 26 Mio. | 6,9 | ~22 | Hoch |
| CYBN | ~16% | k.A. | k.A. | k.A. | Hoch |
| ARWR | ~10% | 13 Mio. | 7,0 | ~20 | Normal |
| ORMP | ~7% | k.A. | k.A. | k.A. | Normal |
| INCY | ~3% | gering | <3 | ~90 | Tief |
III. Fünf Gründe, warum die Bären RXRX im Visier haben
1. Cash Burn als existenzielle Drohung. RXRX verbrennt pro Quartal rund 160 Millionen Dollar. Der Nettoverlust für Q4 2025 betrug -$0,21 je Aktie (besser als erwartet, aber strukturell unverändert defizitär). Die Cash-Runway reicht bis Anfang 2028 — mit einem Kassenbestand von ca. 754 Millionen Dollar per Ende 2025. Das klingt komfortabel, ist aber für einen präkommerziellen Biotech eine Zielscheibe: Shorts wissen, dass das Fenster für positive Überraschungen eng ist.
2. Plattform-Versprechen trifft auf klinische Realität. Das Herzstück von Recursion ist das sogenannte Recursion OS — eine KI-Plattform, die Wirkstoffforschung beschleunigen soll. Die Kennzahlen klingen beeindruckend: 90 % weniger synthetisierte Verbindungen, 17 Monate von Zielstruktur zu Kandidat statt 42 Monate. Aber Geschwindigkeit auf Plattformebene ist kein Substitute für klinische Wirksamkeit. REC-4881, das führende Asset in der familiären adenomatösen Polyposis, zeigte eine mittlere Polypenreduktion von 43 % — was Konkurrenzprodukte wie Celebrex (einem generischen COX-2-Hemmer) nicht deutlich überbietet. Das ist für Premium-Pricing kaum eine Grundlage.
3. Nvidia hat die Position aufgelöst. Ein Signal, das der Markt wahrgenommen hat: Der frühere Ankerinvestor Nvidia hat seine RXRX-Position abgebaut. Das ist kein Beweis für Zweifel an der Technologie, aber es sendete ein psychologisch wichtiges Signal — und gab den Bären Munition für ihre Narrative.
4. CEO-Wechsel inmitten kritischer Phase. Per 1. Januar 2026 trat Najat Khan, Ph.D., als neue CEO an. Mitgründer Chris Gibson wechselt in den Aufsichtsrat als Chairman. Solche Übergänge in einer Phase, in der klinische Pivotal-Entscheidungen anstehen, erzeugen Unsicherheit — Institutionelle hassen Unsicherheit.
5. 47 % Kursverlust in 12 Monaten. RXRX hat seit dem 52-Wochen-Hoch von $7,18 rund 47 % verloren und notiert bei $3,79. Das Sentiment auf Stocktwits und ähnlichen Plattformen ist mehrheitlich bärisch. Retail-Investoren sind desillusioniert, Institutionelle positionieren sich defensiv.
IV. Short-Squeeze-Potenzial — die andere Seite der Medaille
So düster das Bild klingt — ein Short Float von 31–40 % ist ein zweischneidiges Schwert. Die Leerverkäufer haben eine gigantische Position aufgebaut. Wenn — und das ist ein grosses Wenn — ein positiver Katalysator auftritt, sind sie gezwungen, in einem engen Markt zu covern. Und genau das erzeugt Short Squeezes.
Hinweis: Historische Datenpunkte teilweise interpoliert auf Basis verfügbarer Reporting-Daten. Werte gerundet. Quellen: MarketBeat, StatMuse.
V. Technische Handelssignale
VI. Handelstechnische Konsequenzen
Asymmetrische Volatilität. Ein Short Float von 30 %+ bedeutet: gute Nachrichten treffen auf ein explosives Pulverfass. Selbst eine moderate positive Überraschung — ein positives FDA-Signal zu REC-4881, ein Meilenstein im Sanofi-Deal, besser als erwartete Q1-Zahlen am 11. Mai — kann eine Kettenreaktion auslösen, bei der Shorts gezwungen sind zu covern, was den Kurs mechanisch nach oben drückt, was wiederum weitere Stops triggert.
Days to Cover als Zeitmaß. Mit 7,3 Days to Cover brauchen die Leerverkäufer bei durchschnittlichem Handelsvolumen über eine Woche, um ihre Positionen zu schließen — ohne den Markt dabei signifikant zu bewegen. In der Realität, wenn alle gleichzeitig covern müssen, kann dieser Prozess dramatisch schneller verlaufen.
Borrow Rates als Frühindikator. Steigende Leihkosten für RXRX-Aktien sind ein subtiles, aber wichtiges Signal: Sie bedeuten, dass die Nachfrage nach leihbaren Aktien steigt. Wenn Borrow Rates auf 5–10 % per annum klettern, beginnt das Short-Tragen teuer zu werden — und institutionelle Shorts prüfen Exit-Optionen.
Stop-Loss-Kalibrierung. Die aktuelle Unterstützungszone liegt bei $3,20–$3,40 (in der Nähe des 52W-Tiefs von $2,80). Ein Unterschreiten auf erhöhtem Volumen wäre ein technisches Warnsignal erster Ordnung. Ein enger Stop bei ca. $3,10–$3,20 schützt Kapital, ohne durch normale Volatilität ausgestoppt zu werden.
Katalysator-Kalender priorisieren. Die nächsten definierten Informationspunkte sind: Q1-Earnings am 11. Mai 2026, FDA-Engagement zu REC-4881 sowie go/no-go-Entscheidungen zu PI3K und ENPP1 im zweiten Halbjahr 2026. Jeder dieser Termine ist ein potenzieller Short-Squeeze-Trigger — oder ein weiterer Abgabekatalysator. Eine Position ohne Katalysator-Monitoring ist keine Position, sie ist eine Hoffnung.
Die hohe Short-Quote ist kein Zufall, sondern ein rational begründetes institutionelles Misstrauensvotum gegen ein Unternehmen, das Milliarden verspricht und bislang Millionen verbrennt. Gleichzeitig ist ein Short Float von 31–40 % eine latente Sprungfeder für Long-Investoren mit Geduld und klar definierten Risikoparametern. Wer hält, hält eine Wette auf den Katalysator — und gegen die Bären. Das ist kein komfortabler Trade, aber möglicherweise ein lohnender. Enge Stops, klare Katalysator-Daten im Kalender, kein Aufstocken ohne fundamentale Verbesserung: das ist das Gebot der Stunde.
Disclaimer: Dieser Bericht dient ausschliesslich der Information und Meinungsbildung. Er stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in klinische Biotech-Unternehmen sind mit erheblichen Risiken verbunden, einschliesslich des vollständigen Kapitalverlusts. Short-Interest-Daten basieren auf publizierten Börsenberichten und können verzögert sein. Alle Preisangaben in USD. Stand: 18. April 2026.

